Dienstag, 1. November 2011

Die Schnelligkeit der Finanzmärkte siegt über die Giftzähne der Politik, Mungo vs Kobra, nur die Krisen-Turbulenzen um Papandreou und Griechenland sind noch schneller. Ein Aufklärer fehlt!


Europa braucht einen Thomas Paine (1737 – 1809; "Common Sense", Philadelphia MDCCLXXVI). Griechenland braucht ihn, Deutschland und Frankreich brauchen ihn. - Das Blüten-Bild mit den ausgestreckten Händen und den beiden Knospen, die ein V-Zeichen für Victory ergeben, hatte ich "Freiheit" genannt. Thomas Paine passt da hinein wie kein anderer.



Fotos und Eigentum des Kunstwerkes, einer dramatischen Schnitzkunst-Inszenierung (1) aus Hartholz: micha vRhein

Der Mungo hat eine schnellere Reaktions-Zeit als die Kobra. Er wartet auf die Vorstöße der Kobra, die den aufgerichteten Teil ihres Körpers der Länge nach herunter wirft oder den Kopf vorstößt, um ihr Gift in das Opfer zu schlagen. Der Schlag und das Vorstoßen sind berechenbar. Der Mungo weicht außerordentlich reaktionsschnell aus und ermüdet die Kobra, die es immer wieder versucht. Blitzschnell beißt der Mungo dicht am Kopf der Kobra zu und lässt nicht mehr locker. Die Kobra versucht es mit Umschlingung. Der Murgo dreht und wendet sich und weicht auch dieser Gefahr aus. Sein Biss bleibt tödlich, bis sich die Kobra kaum noch regt und "abtransportiert" werden kann.

Übertragen auf die Finanz-Märkte: dort arbeitet man inzwischen mit einem weltweiten Netz außerordentlich reaktionsschneller Programme, die auf die leisesten Regungen des Marktes in Bruchteilen von Sekunden antworten und irgendeinen Gewinn herausholen. Gegenüber diesem globalen Netzwerk hat die Politik lediglich Gift-Zähne zu bieten, die zu langsam sind und auch das Fell des Mungos, sprich der Finanz-Welt, kaum durchdringen können. Versucht ein Land oder eine Union irgendeinen Alleingang gegen die Finanz-Welt, weicht sie aus und macht das gleiche von irgendeinem anderen Erdteil aus.

Politik, Länder, selbst eine europäische Union sind der Schnelligkeit der Finanzmärkte nicht gewachsen. Sie müssen umdenken, ihre Schulden abbauen und ihre Finanzen in Ordnung bringen. Sie müssen sich auf Tugenden einer ethischen Haushalts-Führung zurückziehen, um dem tödlichen Biss des reaktionsschnellen Mungos zu entgehen und ihren Frieden zu haben.

Tiere sind das eine, Menschen das andere. Wenn Menschen einen Rüstungs-Vorteil haben, benutzen sie ihn erfahrungsgemäß für Massen-Morde, wenn sie einen digitalen Vorteil haben, kann es zu Massen-Betrügereien kommen. Gerichte mit ihren Urteilen gegen Finanz-Betrügereien stehen erst am Anfang einer großen Aufgabe, die Unterstützung verdient. Ethik in der Finanz-Welt bedeutet, natürliche Grenzen zu bewahren, der Mensch darf nicht zum Zombie werden. Die Euro-Rettung Merkels hatte für Griechenland die Halloween-Maske eines Zombie. Griechenland war nur noch passives Opfer. Ein "Marshall-Plan" für etwas Optimismus fehlte. Diese Gefahr hatte ich schon am 25 Jun 2011 01:08 beschrieben.


Weiter 2/Nov/2011

Papandreou überraschte die Märkte, nur meinen Internet-Schreibtisch nicht. Dieser hatte das Konzept schon vor einem halben Jahr.

Die geplante Volks-Befragung der Griechen zu den Daumen-Schrauben ihrer angeblichen Rettung ist im demokratischen Sinne zu begrüßen. Wohlstand ist nicht von Krediten abgängig, im Gegenteil: sollte Griechenland auf absehbare Zeit nach einem Staatsbankrott keine Kredite mehr bekommen, wäre es eher ein Segen. Das etwas bescheidenere Leben ohne Konsum-Schulden beinhaltet mehr Freiheit, mehr Glück, weniger erdrückendes, vielmehr beneidenswertes Leben. Schulden schieben sich nicht mehr vor das Leben selbst. Das Leben selbst, den griechischen Charme des Lebens, das wollen die meisten Griechen, und das wollen auch die meisten Touristen, für die Griechenland immer noch ein Traumland ist.

Griechenland muss nach einer möglichen Staatspleite nicht aus der Europäischen Union entlassen werden. Im Gegenteil: Europa benötigt das Beispiel eines ihrer Länder, Banken und Finanz-Jongleure als relativ unwichtig links liegen zu lassen, wenn es um Volklore, fröhliches Leben, Musik und griechischen Wein geht. Europa braucht das Bewusstsein, dass Schulden kaum etwas mit Lebensqualität zu tun haben. Der gesamte Bankensektor wird nahezu überflüssig, wenn keine Schulden gemacht werden. Ein paar genossenschaftliche oder Internet-Banken als reine Dienstleistungs-Betriebe für Konten würden genügen. Das Investment-Banking wäre im Abseits, aus den Schlagzeilen. Es müsse nicht einmal zerschlagen werden.

Was muss Griechenland tun, wenn die Volksbefragung ein Nein zur Rettung ergibt? Die Drachme würde wieder eingeführt werden. Griechenland wäre eines der vielen EU-Länder, die auf den Euro verzichten. Wichtiger als die Währung ist die autonome Versorgung durch Agrar-Produkte aus dem eigenen Land, durch Fischfang aus dem Mittelmeer und den heimischen Gewässern. Erst wenn die eigene Versorgung durch Märkte eigener Produkte sicher gestellt ist, kann an den Export gedacht werden. Damit hätte es noch Zeit. Der Tourismus hätte erst einmal Vorrang. Dieser würde heimische Märkte und gute griechische Küche begrüßen. Importe müssen vermieden werden, weil dadurch die Schulden-Schrauben noch einmal von vorn anziehen. Die Energie-Versorgung müsste sich auf kleine alternativ gewonnene Energie konzentrieren. Das ist möglich, weil Griechenland sehr wenig Energie-fressende Industrie hat, dafür mehr Sonne.

Inzwischen hat die Polit-Kaste Griechenlands gelernt, wie man eine Verwaltung aufbaut, wie man Steuern eintreibt und wie ein Mob auf der Strasse in Schach gehalten werden kann. Dieses Wissen sollte sich auf die Rückzahlung griechischer Schulden beziehen. Nach dem totalen Staatsbankrott würde sich das Wissen gegen die eigene Bevölkerung richten. Die Polit-Kaste möchte weiter verwöhnt werden, weiter ihre guten Pensionen bekommen, weiter ihre Vergünstigungen und Privilegien genießen. Ein Staatsbankrott müsste aber sicher stellen, dass diese Leute keine Vergünstigungen mehr beziehen, sondern eher in der Landwirtschaft mithelfen müssen, um ihren Unterhalt selbst zu verdienen. Vor allem muss vermieden werden, dass diese Kaste kostbares griechischen Eigentum an ausländische Staaten verscherbelt, um von den Bestechungs-Geldern weiter so zu leben, wie bisher. Griechenland benötigt eine neue jugendliche Partei, die im Parlament aufräumen kann.

Die Griechen, die nun befragt werden, sollten sich nicht in die Hosen machen, Schulden-Freiheit als ein kostbares Gut betrachten, Kredit-Sperren als ein noch kostbareres Gut und Eigenversorgung als das wertvollste Wirtschafts-Wachstum. Sollten die Gefahren erkannt und eine Umschichtung der Prioritäten stattfinden, ganz im Sinne eines neuen Selbstbewusstseins der Griechen und der griechischen Jugend, dann wäre Griechenland beneidenswert.

Allerdings darf der Konkurs nicht in einen Konkurs-Betrug münden. Die sachliche Zahlungs-Unfähigkeit muss im Vordergrund stehen. Sicherheiten in Form von Sachwerten waren indessen niemals Gegenstand von Verträgen, wenn Griechenland zu immer neuen Krediten überredet wurde. Die Souveränität eines Staates steht über den Begehrlichkeiten von Gläubigern, Sachwerte im Land "mitzunehmen", um sich schadlos zu halten. Wenn ein Kredit für eine U-Bahn verwendet wurde, darf dieses "Landes-Eigentum" von einem ausländischen Gläubiger wohl schwerlich "einkassiert" werden, wenn dies nicht ausdrücklich Bestandteil des Kredit-Vertrages war.

Griechenland kann den Gläubigern den Wind aus den Segeln nehmen. Diese haben hohe Kredite aufgedrängt und staatliche Verbriefungen ohne Ende aufgekauft. Sie haben die Kredit-Würdigkeit Griechenland berechnend, mit fast krimineller Energie, der eines Industrie-Landes gleich gesetzt, das Land in eine falsche Sicherheit geschaukelt, bis Rating-Agenturen hellhörig wurden. Das unverantwortliche Hineinpumpen von €-Milliarden nach Griechenland erklärt sich durch die Erwartung der Banken, dass letztlich Steuerzahler von bürgenden und garantierenden Staaten wie Deutschland für mögliche Fehlbeträge haften werden.

Nach der Staatspleite und nach der Neuauflage des Drachme werden keine Verbindlichkeiten mehr bestehen. Während des Konkurs-Vorgangs kann über letzte Leistungen Griechenlands verhandelt werden, wobei die Souveränität des Landes nicht angetastet werden darf. Reparations-Zahlungen wie nach einem Krieg können völkerrechtlich ausgeschlossen werden, da es sich um sehr viele Gläubiger handelt, die zum großen Teil verdeckt sind. Sie haben sich verkalkuliert. Das war es dann.

Die jetzige Tranche an Griechenland könne nicht mehr rückgängig gemacht werden, hieß es gerade in den Nachrichten. Das bezweifle ich. Noch sind die Beträge nicht ausgezahlt. Sie sollten gestoppt werden, um die Volksbefragung, die nun beschlossen ist, abzuwarten. Da aber viele Stellen und Personen auf Seiten der Geber-Länder an der Tranche mitverdienen, und das nicht zu knapp, heißt es schnell, "nicht mehr rückgängig zu machen".

Griechenland teilt die Gemüter. Einerseits wird gegen eine zu sorglose Polit-Kaste argumentiert, die sich Vorteile und Bequemlichkeiten ohne Ende gegönnt hat, andererseits für die Mittel- und untere Klasse, die von der leichtfertigen Politik so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wenn es ums Ganze geht, um die Freiheit Griechenlands, schlägt das Herz für die eher unschuldigen Schichten, die nun leiden müssen. Findet Griechenland tatsächlich einen Neuanfang, gewinnt sein Selbstvertrauen und seine Würde zurück, kann es sich von einem Albtraum befreien. Griechenland befindet sich in der Phase eines Albtraums, aus dem es sich befreit. Papandreou tat den ersten Schritt zurück zur nationalen Würde. Dieser kam überraschend, weil er eine Eingebung war.

Weiter am 3/Nov/2011

Nur nicht bange machen lassen, Papandreou! Die Euro-Retter lassen erst einmal ihre Maske fallen. Sie drohen, sind "verärgert", wollen "Klarheit" und zeigen überdeutlich: alles Eigennutz. Die Hysterie lässt sich kaum verstecken. Man erfährt plötzlich, welche Fachleute und Institute Lobbyisten sind. Griechenland soll vorschnell die EU verlassen, wird gedroht. Die Blamage ist komplett. Nicolas Sarkozy ähnelt Jaques Tati - Mon Oncle (1958). Die Hysterie und Aufregung bezieht sich jedoch nur auf den demokratischen Vorgang einer Volks-Abstimmung, somit um reine Demokratie im Land der Wiege der Demokratie. Allerdings benötigen die Griechen einen kurzen präzisen Text, damit sie sich entscheiden können. Er könnte lauten: das Rettungspaket führt über die Jahre zu mehr Staats-Schulden und zu mehr Abhängigkeit. Ein Ausverkauf Griechenlands droht. Ein Nein dazu würde bedeuten: Staatsbankrott, aber die Schulden sind weg. Griechenland kann vor vorn beginnen.

Kanzlerin Merkel sollte eigentlich froh sein, weil eventuell weniger Risiko für den deutschen Steuerzahler entsteht. Stattdessen soll Papandreou "eingenordet", auf Linie gebracht werden, was diktatorische Züge annimmt. Wenn es die Griechen auf sich nehmen, mit einer ärmeren Drachme-Schlafmatratze zufrieden zu sein und das neue Schulden-Machen ablehnen, wäre es positiv für die Länder der Euro-Retter, allerdings schlechter für die involvierten Banken. Merkel und Sarkozy (Merkozy) sind keine Bank-Vorstände, aber sie tun so. Für den Euro wäre es besser, wenn Griechenland aus dem Währungs-Verbund austreten würde. Ein Austritt aus der EU müsste nicht sein, anders als Merkozy drohen. Sie wollen über die Mitgliedschaft und nicht über den Euro-Rettungs-Schirm abstimmen lassen. Sie mischen sich damit massiv in die Souveränität Griechenlands ein und wollen Vorschriften machen. Die Alternative, "entweder ihr schluckt die Rettung, oder aber raus aus dem Staaten-Verbund" ist eine unzulässige Drohung. Die Drohgebärde sorgt nicht gerade für Vertrauen in die Wortführer der EU. Die "Retter" entpuppen sich als üble Gesellen, die anderes im Schilde führen. Ehrlich gesagt, ich würde dieses ungehobelte kulturlose Pack zum Teufel scheren und die Freiheit vorziehen, die man spüren kann, wenn man auf den griechischen Inseln Stätten der Antike besucht.

Weiter am Abend:

Die Ereignisse überschlagen sich jetzt. Griechen bekommen Angst vor ihrer eigenen Courage. Existenzielle Sorgen spielen mit, da die schon bewilligten Hilfsgelder bis nach einem Referendum von der Union zurückbehalten werden. Vor allem aber fehlt es an einer Art nationaler Aufbruch-Stimmung, um aus eigener Kraft etwas Neues zu beginnen, das Griechenland wieder zu sich selbst finden lässt. Eine Übergangs-Regierung, eine "Not-Regierung" soll nun die Verantwortung übernehmen. Sie soll mit "Fachleuten" besetzt werden. Und schon sind ehemalige Banker dabei. Man spürt, dass den Griechen vor lauter Angst nicht bewusst ist, dass sie in die alte Position, in die alten Daumen-Schrauben zurück geprügelt werden. Armes Griechenland! Ich hatte gehofft, dass ein wenig National-Gefühl, etwas National-Stolz entstehen könnte und dass etwas von diesem wunderbaren Land erhalten bleibt.

Weiter 5/Nov/2011

Die EU ist in den Fängen ihrer großen Banken, bei denen ihre Länder hoffnungslos verschuldet sind. Die Verschuldung ist das Haupt-Problem. Ein anderes Problem kommt hinzu, das Präsident Obama ansprach:  "Es gibt (in der EU) viele Regierungen, viele Parlamente und viele europäische Institutionen." So ist es auch in der "Euro-Zone". Es gibt keine Regierung des Euro. Das Durcheinander führt dazu, dass nicht einmal genau verstanden wird, was gemeint ist, wenn Griechenland eventuell aus der "Euro-Zone" austreten muss. Viele verstehen darunter, das Griechenland aus der EU austreten müsse. Die "Euro-Zone" ist aber das Gebiet der 17 Euro-Länder innerhalb der EU, nicht etwa die EU selbst, die aus 27 Ländern besteht.

Das Schulden-Problem betrifft alle, auch Deutschland. Darum kann das Banken-Netz Länder wie Deutschland und Frankreich einspannen, um andere Länder der Euro-Zone zu disziplinieren. Das Banken-Netz will natürlich den Schaden begrenzen, wenn Länder ausscheren wollen und mit einem Staats-Bankrott spekulieren, wie es Papandreou getan hat, indem er eine Volks-Befragung vorschlug, deren Ergebnis ein NEIN zu den "Rettungs-Paketen" gewesen wäre. Der mögliche Schaden für das Banken-Netz musste aus ihrer Sicht dagegen begrenzt werden. Im Falle eines Staats-Bankrotts drohte ein Total-Ausfall. Deshalb wurden Kanzlerin Merkel und Sarkozy vor den Karren gespannt, um Griechenland wieder auf Linie zu bringen.

Frankreich, Deutschland, Italien und Griechenland haben gemeinsam, dass ihnen der Ausgang aus einer selbst verschuldeten Unmündigkeit versperrt ist (nach Emanuel Kant). Die Unmündigkeit betrifft auch Firmen und Privat-Haushalte, die sich gegen alle Vernunft zu hoch verschuldet haben. Ganze Staaten können deshalb nicht mehr vernünftig regiert werden, aber deren Polit-Kaste schwelgt in einem selbst zugeschusterten Reichtum. Ideale haben darum keinen Boden. Revolution auf der Strasse hat Boden. Ein Thomas Paine (1737 – 1809; "Common Sense", Philadelphia MDCCLXXVI) hätte heute keine Chance. Europa braucht aber einen Thomas Paine. Griechenland braucht ihn, Deutschland und Frankreich brauchen ihn.


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(1)

Das Wort "Inszenierung" widerspricht einem Kunstwerk, das sich nicht bewegt. Über Jahrhunderte wurde der eindrucksvollste Moment eines Geschehens, einer kleinen Begebenheit, einer Erzählung oder einer geschichtlichen Quelle gesucht, um mit diesem Moment möglichst viele Komponenten zu erfassen und ihn zu "strecken", ihn zeitlich zu dehnen und die Phantasie des Betrachters anzuregen, trotz der Moment-Aufnahme einen "Film" ablaufen zu sehen. Ich meine die zurückliegenden Jahrhunderte, in denen es noch keinen Film gab. Das narrative Christentum, z.B. das "Leben Jesu", wurde auf immer wieder dargestellte Themen der Malerei und bildenden Kunst reduziert, die den eindrucksvollsten Moment des Geschehens zeigten. Diese Themen lohnten die Darstellung, wurden anerkannt, forderten die Kunst heraus.

Das Thema Mungo versus Kobra in YouTube überrascht mit einigen Kurzfilmen, die den Kampf und die Überlegenheit des Mungos zeigen. Das Schnitzwerk dagegen bannt beide Tiere und zeigt nur einen Moment. Dieser aber suggeriert ein dramatisches Geschehen. In der Regel wird dieses "Geschehen" in einem Moment wie Volkskunst tradiert. Der Schnitzer weiß vorher, was er darstellen wird, weil er die Tradition kennt und der Moment der Darstellung immer wieder verbessert wurde. Er versucht, den besten Moment ebenfalls zu treffen.

Die Qualität der Schnitzerei lässt sich erkennen, wenn man sich das gleiche Thema in Disney-Land vorstellt. Das Schnitzwerk ist das Gegenteil von Disney-Land. Die Charakteristik der beiden Tiere und ihre Würde wurde herausgearbeitet. Die Dramatik eines Kampfes kommt hinzu. Die Schlange zeigt bereits die Biss-Löcher des Mungos in ihrem Leib.

Also kann der Begriff "Inszenierung" stehen bleiben. Analog dazu fiel mir das Experiment ein, ein Portrait zu "inszenieren", das Portrait von Thomas Paine. Normalerweise erscheinen Portraits in der Geschichte der Portrait-Kunst als Brustbild oder Ganzkörper-Figur, umgeben mit Attributen, die zum Dargestellten passen. Mein kleiner Versuch einer "Inszenierung" verlegt das Portrait in ein völlig anderes Bild, das allerdings thematisch passt, "Freiheit" hieß und nun Thomas Paine als Freiheits-Held der Aufklärung aufnimmt. Paine beeinflusste, initiierte den Amerikanischen Bürger-Krieg gegen die Engländer, danach gab er der französischen Revolution Schubkraft im positiven Sinne und Bemsklötze, als sie zum Blutbad wurde.

Das Bild Paines im "Freiheit"-Bild wird von den Händen getragen, die sich nach oben strecken - sein Bild im Bild erscheint auf einer außen schon verwitterten und brüchigen Metall-Scheibe, die Vergänglichkeit zeigt, Paine ist gegenwärtig wie zum Zeitpunkt, als das Gemälde entstand, Gegenwärtigkeit ruht auf Vergänglichkeit. Ich muss mich freilich selbst belächeln, weil ich mein eigenes Bild interpretiere.

Weiter 7/Nov/2011

Gegenwärtigkeit verbunden mit der Jugendlichkeit revolutionärer Ideen scheint zeitlos zu sein. Jede neue Generation kann sich frische Ideen aus der Vergangenheit, aus der Geschichte holen. Wenn Europa zurzeit im Materialismus erstarrt, seine Freiheit und seine Selbstbestimmung im Schulden-Sumpf an Banken und Gläubiger verliert, kann die Erinnerung an geistige Erneuerer helfen, die am Rad der Geschichte wirklich gedreht haben, oft mit nur wenigen Mitteln veröffentlichter Texte. Wenn ich nun Thomas Paine deswegen so überaus verehre und ihn so sehr herausstelle, rufe ich gleichzeitig Revolutionen herbei. Wir erleben sie bereits. Der Erfolg der Piraten-Partei, die Occupy-Bewegung, der Arabische Frühling gegen Diktatoren etc. Abgesehen davon häufen sich Streiks und Strassen-Kämpfe in den extremen Schulden-Ländern. Chaos ist der Nährboden für neue Generationen, die nach oben drängen, an die Öffenlichkeit, ins Internet, um einer neuen Zeit ihren Stempel aufzudrücken, weil das Erstarrte der Schulden-Generation den Tod schon in sich trägt.








Donnerstag, 14. Juli 2011

Das Korn (den guten Euro) schmeißen sie weg und die Spreu (den schlechten Euro) wollen sie zum Backen verwenden: EU-EUROPA

Jean-Claude Trichet ist ...

Ritter: Sir Robert de Setvans, um 1304, in der Kirche St. Mary in Chartham, Kent; mit sieben Korn-Sieben in seinem Wappen, auf dem Waffenrock und auf sogenannten Ailettes auf den Schultern. Auch "Ritter" Trichet im Bild darüber, Jean-Claude Trichet, trägt diese Ailettes, weil die Korn-Schwinge oder das Korn-Sieb symbolträchtig ist. Sie sehen bei ihm aber wie Büro-Papier aus. Ein Ritterschlag aufgrund guter Geld-Politik ist bei Trichet nicht möglich.

Dem Wappenbild liegt eine sehr schöne Idee zugrunde. Korn-Schwingen trennen die Spreu vom Weizen, im übertragenen Sinne das Böse vom Guten, die Feinde von den Freunden und die Ungerechtigkeit von der Gerechtigkeit. Trichet hingegen möchte den schlechten Euro vom guten unterscheiden, den Dollar vom Euro.

Die Ägide von Jean-Claude Trichet

Leider ist Europa noch unter seiner Ägide und unter der Mutterschaft von Kanzlerin Angela Merkel völlig durcheinander gekommen. Gutes Geld wird in schlechten Absichten gedruckt, schlechtem Geld hinterher geworfen, damit am Ende nur noch schlechte Euro gedruckt werden können. Die EZB verarbeitet gutes Korn, den guten Euro, um ihn unten als Ramsch-Euro aus der EZB-Mühle herauszulassen. Zu sehen ist dann nur noch Spreu, Euro-Massen-Ware, halb so viel wert wie bei Produktions-Beginn. Abnehmer gibt es: Griechenland etc.

Der Zusammenbruch von EU-Europa kann kommen (1). Europa bleibt bestehen. EU-Europa sind die Macht-Strukturen, Europa sind seine Bürger und seine Geschichte. Die Finanzblase EU-Europas platzt bald. Europäische Parteien haben sich nach Brüssel geschlichen, haben ihre jeweiligen nationalen Fraktions-Zwänge mit sich genommen, die Ausbeutungs- und Schulden-Politik in den Köpfen, und sie haben die Bürger weitgehend übergangen, denn diese werden nur vor Wahlen gebraucht. Die EU-Länder haben alle keine Bürger-Räte, die sich nichts vormachen lassen. Zwischen den Parlamenten und dem "Wahl-Vieh" fehlen Verfassung-konforme Bürger-Räte, die den Parteien auf die Finger schauen und selbst ohne Parteibuch auskommen. Talkshows in TV-Sendern sind zu oberflächlich. Sie scheitern daran, solche Bürger-Räte, die ich seit langem fordere, zu ersetzen.

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Nachtrag 16/Juli/2011

Der Leser dieser Zeilen wird gebeten, sich das Bild von oben, "Ritter" Trichet, noch einmal genau anzuschauen. Zuerst hatte ich rektanguläre Ailettes auf die Schultern von Herrn Trichet montiert. Eine halben Tag später verwandelte ich sie in "Büro-Papier", um eine abweichende Aussage zu machen: Trichet kann keinen Ritterschlag bekommen, weil seine Geld-Politik versagt hat.

Nachdem die veränderte Grafik fertig war, die Ailettes nunmehr wie dünnes Papier aussehen, und einige Stunden vergangen waren, schaute ich auf die Google-Suche und gab das Stichwort "ritter trichet" ein. Ganz oben an erster Stelle kam mein Bild, Trichet aber noch mit rektangulären Ailettes. Die leicht satirische Korrektur kam nicht. Aber weiter unten im Suchergebnis zehn andere Bilder aus dem gleichen Blog, einschließlich einiger Thumbnails der rechten Spalte des Blog-Layouts. Das Google-Bild-Archiv reagiert sofort auf alles Neue, korrigiert oder ergänzt Veränderungen erst später. Das erste Wort "Ritter" wurde nur im Zusammenhang mit "Trichet" gesucht. Google kann den attributiven Charakter eines Wortes erkennen.

Nachtrag am 17/Juli/2011; um 11:40 UTC entdeckt:

Plötzlich ist das Bild weg. Google Bildsuche "ritter trichet" hatte soeben noch das untere Bild vom ihm, das auf weißem Grund mit steifen Ailettes, gleich oben links am Anfang. Weg! Es kann nicht an einer Neusuche seitens Google gelegen haben, denn die anderen Bilder weiter unten sind noch da. Wer hat das Löschen veranlasst? Jeder kann sich seinen eigenen Reim darauf machen. Das zutreffendste Bild ist weg und andere Bilder am Rande sind noch da. Nun gibt es weder einen Ritterschlag für den Mann, noch gibt es das ritterliche Bild dazu. Den "Ritter Trichet" gibt es dort nicht mehr. Klickt der Google-Suchende allerdings auf "alles" statt auf "Bilder", dann kommt diese Kolumne hier im Blog noch ganz oben an erster Stelle. Andere Suchmaschinen fallen total ab, besonders deren Bilder-Suche. Um Google vollends zu verwirren, habe ich die beiden Bilder ober vertauscht. Ritter Trichet ist nun ganz oben, vorher hatte ich ihn unter Ritter Robert de Setvans, also erst an zweiter Stelle. - Auch die Fotovorlage für die satirische Montage ist aus den Bildern der Google-Suche "Ritter Trichet" verschwunden. Nun kann ich diese Quelle nicht einmal mehr zitieren. Das Bild ohne die Ailettes ist ebenfalls weg.


Am 17/Juli/2011 um 14:20 UTC

Das Katz- und Maus-Spiel Ritter-Trichet/Google-Bild-Suche geht in die vierte Runde. Plötzlich ist Robert de Setvans von 1304 ganz oben. Mein schneller Bilder-Tausch in der Reihenfolge wurde von Google noch nicht registriert. Zum Beweis ein Sceenshot:


Seltsam, dass ein so prägnantes Bild wie der Priapus, der sich auf den Weg in den Bundestag macht, unter der Google-Bildersuche Stichwort "priapus" überhaupt nicht erscheint. Werden "unverschämte" Satiren von Google auf Geheiß hoher Politiker herausgefiltert? Trichet als "Papier-Ritter" und Priapus als Geld-Bote für Diäten-Erhöhung im Deutschen Bundestag - herausgefiltert? 1/August/2011: inzwischen erscheint dort das Bild. Gibt man "Priapus Geldbote" ein, dann kommen ausschließlich meine Kompositionen.

Möglich, dass Trichet einem ritterlichen Geheimbund angehört und die Darstellung deshalb sehr unwillkommen, "unpassend" war. Beide Satiren gewinnen jedoch, denke ich, wenn die Annahme denn stimmt, an satirischer Qualität. Genug der Google-Suche-Analyse!

Aber nein doch. Meine Befürchtung im Falle Trichet war unbegründet. Vor sechs Stunden, um 2:00 UTC 18/Juli/11, entdeckte Google auch das Bild mit den "Papier-Ailettes" auf den Schultern von Trichet, dazu wieder ein Screenshot (ich hatte die Maus auf dem Bild, das vergrößert kopiert wurde):


Und plötzlich nun auf einmal?? Was sehe ich 8:40 UTC am 19/Juli/2011? Papier-Ritter-Trichet und Ritter Setvans und außerdem noch Priapus, whow!!! alle drei ganz oben vorn im Bilder-Suchergebnis "ritter trichet"; das hat es ja noch nie gegeben! Wieso auch Priapos? Weil im Text folgender Satz stand: "Trichet als "Papier-Ritter" und Priamus als Geld-Bote für Diäten-Erhöhung". Richtig bemerkt, ich hatte Priapus (auch Priapos) versehentlich mit "m" geschrieben, Google hat diesen Fehler übernommen. Daher weiß ich, dass das Bildzitat aufgrund der Textstelle im Zusammenhang mit Trichet gefunden wurde. Soeben habe ich den kleinen Fehler korrigiert, aber in der Bilder-Suche Stichwort "ritter trichet" ist er noch da: "Priamus", was eine Abbreviation von Prima-Apfelmus sein könnte, weit entfernt vom griechischen Fruchtbarkeit-Gott, Sohn des Dionysos und der Aphrodite. Priapos hatte ich mit moderner Wampe versehen. Plötzlichen Heißhunger auf Apfelmus habe ich außerdem bekommen.


weiter am 19/Juli/2011 um 15:50 UTC
Noch sind alle "unpassenden" Satiren oben Anfang erste Reihe zu sehen


Weiter am 22/Juli/2011 um 14:11 UTC, alle folgenden nacheinander


Das große Bild Trichet mit Ailettes und Priapos sind oben weg

Dafür sind in der Such-Mitte viele Blog-Bilder und Satiren vRhein (rot unterstrichen)


 Weiter unten sind noch mehr vRhein-Bilder und Satiren zu sehen (ebenfalls rot unterstrichen)


Die Fülle meiner Blog-Bilder nur in der Bild-Suche "Ritter Trichet" ist verwunderlich. Ein anderes Beispiel: gibt man das Wort "Studienstiftler" ein, kommen 22 meiner Bild-Kompositionen verteilt (bezogen auf Horst Mahler und nicht etwa darauf, dass ich selbst einer war); oder nur "schlapper Scheinritter" aus meinem Text, dann kommen meine Trichet-Persiflagen.  Ein Such-Algorithmus rafft sich Textstellen und Bilder im Nahbereich. Kein Algorithmus liegt aber zugrunde, wenn das große Ailettes-Ritter-Bild von Trichet nicht mehr erscheint. Dafür gibt es nur eine Erklärung: das Bild wurde "gemeldet" und herausgenommen. Meine Vermutung, Trichet oder sein Stab wollen die Satire nicht, weil sie auf höherem Niveau entblößt, im Sinne schlapper Schein-Ritter, der mit der EZB eingebrochen ist und zu hastig griechische Ramsch-Anleihen in großem Stil aufgekauft hat, was gar nicht die Aufgabe der Institution ist, trifft also wohl doch zu. Auch Priapos wurde entfernt und taucht auch unten nicht mehr auf. Google hält dagegen und bringt das Thumbnail und Konglomerate, die auf den schlappen Ritter dennoch zeigen.


Beobachtung am 23/Juli/2011:

Die Bildersuche nur mit dem Suchwort "Trichet" zeigt neuerdings auch zwei Konglomerate, die auf diese Kolumne verweisen. Bisher gab es nur Köpfe über Köpfe des Herrn Trichet, nun wird das Suchergebnis aufgelockert und Bilder aus dieser Kolumne halten Einzug, auch wenn nur "trichet" und nicht "ritter trichet" gesucht wird. Das war vor 12 Stunden. Inzwischen sind die beiden Bild-Verweise auf diese Kolumne ziemlich weit nach unten gerutscht, ungefähr in die hundertste Bildreihe, und die höchst langweilige Köpfe-des-Herrn-Trichet-Galerie dominiert wieder. Geradezu entsetzlich langweilig. Saubermänner sind am Werk, die andere Bilder "melden" oder nach unten versetzen lassen. Man stelle sich das bildlich vor: die ersten 40 Seiten 99 Prozent nur diese Trichet-Köpfe, erst Seite 41 die beiden Verweise hierher.


Google-Bildsuche"ritter trichet": Ende fast gut, alles beinahe gut
Suchergebnis "trichet": Trichet-Köpfe über Köpfe und nochmal Köpfe, alle "genehmigt", zum Erbrechen langweilig


Google scheint meine Satiren recht zu mögen. Gibt man das Stichwort "Robert de Setvans" in die Google Bildersuche ein, kommen nach ein paar von meinen Bildern oben in der ersten Reihe etwas weiter unten noch 75 (!) weitere meiner Bilder, Persiflagen und Satiren kompakt aus meinen Blog-Kolumnen. Auch das karge Stichwort "Setvans" genügt auch schon für das Geschwader meiner Bilder. (Wenn die Firma nun noch auf meine Idee eines "Internet-Parlament" kommt, könnte Google+ wahrscheinlich sehr davon profitieren.) Ach ja, Stichwort Bildsuche Trichet oder Jean Claude Trichet: alle Hinweise auf dieses mein Blog wurden wieder weg gemeldet oder eliminiert, auch wenn der Google Algorithmus routinemäßig wieder nachschickt. Die Saubermann-Mafia des Herrn Schlapp-Ritter Trichet ist hart dran und putzt weg. Nur der greise Charakter-Kopf Trichet bleibt seitenweise übrig. Niemand darf ja dem "Sonnen-König" der Finanzen Lack wegkratzen.
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Nachtrag 2 vom 16/Juli/2011, ergänzt am 17/Juli/2011

Experten: Schulden-Erlass für Griechenland. Welche Experten! Sind sie denn plötzlich total verrückt geworden? Jeder Schuldenerlass wird sich multiplizieren. Und geändert wird gar nichts. Änderung der Ausgaben-Politik Griechenlands ist das Gebot. Statt Schulden-Erlass muss eine neue Gesinnung entstehen. Erlasse belohnen nämlich die vergangene falsche. Griechenland ist deshalb so hoch verschuldet, weil eine grenzenlose Selbstbedienung-Mentalität eine falsche Verteilung billigen Leih-Geldes bewirkt hat. Bei einem Schulden-Erlass bleiben diese Proportionen erhalten. Sie müssen aber dringend geändert werden. Jeder dieser Begehrlichkeits-Euro auf Pump hat sich im Kontext mit Abstrafungen, Zinsen und Rückzahlungs-Verpflichtungen inzwischen im roten Bereich vervielfacht. Diese Gefahr wurde von den Nutznießern der griechischen Schuldenpolitik einfach beiseite geschoben. Mögen die anderen hinterher zahlen, wir leben erst einmal gut. Das Aufbegehren der Masse gegen solches Denken hat seine Berechtigung.

Die unverantwortlichen bisherigen einflussreichen Nutznießer müssen zur Verantwortung gezogen werden. Dies ist nur möglich, wenn das Konzept, das hier von mir im Internet-Schreibtisch.de entwickelt wurde, angewendet wird. Es ist logisch stimmig. Die Zügel müssen viel härter gestrafft, die Kontrolle über Hilfs-Gelder verschärft werden. Es gibt wesentlich mehr Einsparungs-Potential. Das Spar-Potential ist nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Aber es darf nicht die Unschuldigen treffen. Dies geschieht aber, wenn nach Gießkannen-Hilfen die griechische Regierung selbst über das Hilfe-Geld verfügt. Die Regierung stellt Anträge, Europa in Gestalt der Geldgeber verfügt. So muss es sein. Flankierend muss der Export-Wirtschaft Griechenlands geholfen werden.

Gefreut habe ich mich, dass Herr Sinn vom ifo-Institut für eine strenger kontrollierte und für eine weniger umfangreiche Hilfe für Griechenland plädiert. Dieser Vorschlag geht in meine Richtung. Er enthält aber nicht die Punkte, die ich aufgezählt habe.

Nachtrag am 23/Juli/2011

Der neue Griechenland-Rettungs-Schirm vertraut der Souveränität des griechischen Staates und vertraut auf Besserung, hilft beim Aufbau einer transparenten Verwaltung, hilft schwachen Regionen, verschafft Zeit, stutzt die Gesamt-Schulden und sieht flankierende Hilfen für die Produktivität des Landes vor. Griechenland sollte sich bedanken und die verwendeten Hilfs-Gelder detailliert nachweisen. Der Vorwurf, dass Gelder in dubiosen Kanälen versichert, muss von den Griechen selbst ausgeräumt werden. Das von der Pleite bedrohte Griechenland werde vom Krisenfond EFSF mit frischem Geld zu niedrigen Zinsen versorgt werden. Im Grunde wird der Schlendrian der Griechen dadurch erneut begünstigt. Der Krisenfond EFSF legt eine gesamt-europäische Haftung für seine Pleite-Länder an. Deutschland holt sich die Gefahr einer Sisyphos-Arbeit gegen den steigenden Bedarf parasitärer EU-Staaten ins Haus. Das Bankenviertel in Frankfurt ist um eine Plastik reicher. ein Fass ohne Boden. Dazu hatte sich bereits im März Herr Sinn vom ifo-Institut geäußert.

Die EU fand eine "vornehme" Lösung, die Vertrauen enthält, obwohl Griechenland Vertrauen eklatant missbrauchte. Sollte auch sie nicht richtig helfen, dann können vielleicht doch meine Konzepte helfen, die eine Flexibilität des Euro statt durch Wert-Teilung in einen Nord- und Süd-Euro besser durch eine virtuelle Simulation einer Landes-Währung (hier Drachme) vorsieht und diese Simulation für Hilfen zugrunde legt. Die Hilfen werden gekürzt und zugeteilt. Die Souveränität des Landes wird stärker beschnitten statt Griechenland mit vollen Wert-Euros zu überschütten und die Verteilung den Griechen zu überlassen. Meine flexible Variante hat den Vorteil, dass eine Gesundung erzwungen wird und sich die Lage dynamisch verbessert. Die "vornehme" Rettung, wie sie nun beschlossen wurde, behandelt den Euro immer noch als starre Währung ohne jede Flexibilität auf dem Sektor der Rettung überbürokratisierter Staaten ohne Steuer-Effizienz und deren veralteter Strukturen voller korrupter Maden im Brot.

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(1)
Neben EU-Europa gibt es noch das Kohl-Europa. Helmut Kohl: "Die Merkel macht mir mein Europa kaputt"(2).

(2)
Nachdem irgendeine Plaudertasche diesen Satz von Kohl gestern an die Öffentlichkeit brachte, dementierte Kohl sofort. Damit sagte er, der Satz sei eine Fälschung. Fachlich gesehen, vom Blickwinkel dessen, der Falsifikate von Originalen gut unterscheiden kann, ist der Satz authentisch, wie er authentischer nicht sein kann. Ob Fälschung oder Original wird zurzeit in der Fachwelt diskutiert. Ich meine das Gemälde "Salvator Mundi", ein echtes Da-Vinci-Werk und tatsächlich 200 Millionen Dollar wert? Absolute Sicherheit wird es in der Frage wohl nie geben. So der Bericht. Die Sicherheit ist hier:
  • Es geht um Spekulation. Nie und nimmer ist dieses Machwerk ein Da-Vinci! Ein Foto liegt zugrunde, das mit Montagen aufgearbeitet und auf eine Fälscher-Leinwand übertragen wurde. Die Augen "sitzen" nicht im Schädel. Allein diese Beobachtung schließt Leonardo aus, da die Renaissance-Maler vom Skelett ausgegangen sind, um das sie das Muskel-Werk anatomisch genau gelegt haben.
Der Kohl-Satz ist echt, der Leonardo nicht. Nun muss noch untersucht werden, was "mein Europa" bedeuten könnte, vielleicht eine Fälschung Europas in einem halbwegs kriminellen Partei-Spenden-Hirn? Zeus sagte "mein Europa", klingt schon besser. Zur Erinnerung das Bild:




Mit Verlaub, Kohl ist nicht Zeus. Vielleicht war er ein "Göttergatte" für seine Frau Hannelore, die er wohl regelrecht im Stich ließ, bevor sie Licht-krank in einsamer Dunkelheit ihre Abschieds-Briefe schrieb. (4) Das "mein Europa" des Zeuss und "unser aller Europa" ist zu komplex für Besitzansprüche einzelner Personen. Millionen kleiner Details gilt es jedoch zu verbessern. Eines will ich erwähnen.
  • Deutschland benötigt Fachkräfte und wirbt sie in Krisen-Ländern wie Spanien an. Ich stelle mir eine Art Solidaritäts-Zuschlag für das Heimatland der Fachkräfte vor, der zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur anderen Hälfte vom Arbeitnehmer abgeführt wird. Es geht nicht an, dass ein in Spanien Ausgebildeter ohne jeden Ausgleich von einem Land wie Deutschland einfach abgeworben wird. Konzentrationen des europäischen Arbeits-Marktes hatte ich schon angesprochen und die Notwendigkeit einer Solidarität-Abgabe herausgestellt, damit lokale Kulturen, die für Europa sehr wichtig sind, nicht untergehen. Europäische Kulturen und wirtschaftlich-industrielle Konzentrationen verlangen einen Ausgleich.

Nachtrag am 17/August/2011
Noch ein Wort zur Einheit Europas und zu den Euro-Bonds, die zurzeit diskutiert werden. Finanz-Transaktions-Steuer, eine gemeinsame europäische Wirtschafts-Politik und Schulden-Bremsen für die einzelnen Euro-Länder müssen erst einmal konkret werden und Länder-Parlamente passieren. Die europäische Verzahnung soll weiter gehen, gut.

Ackermann von der Deutschen Bank wird seinen Einfluss geltend machen, damit ihm die Felle nicht davon schwimmen und womöglich noch der Bürger selbst an den Zinserträgen verdient. Niemals, ich höre ihn flüstern.

Ich erinnere (3) an meine Kolumne "Der Hühnerflüsterer":

Portrait Merkel Kanzler-Galerie Kanzler-Amt Berlin


Nachtrag am 20/August/2010 verändertes Bildzitat Spiegel Online; Merkel hat die Wahl zwischen Terror auf der Strasse und Terror von oben, aus der Gläubiger-Etage

und an meine Kolumne "Der Bürger ist die Bank":


Renoir ist mit dem Vermögens-Zuwachs der Bürger einverstanden.

Frühere Manager Gehälter der Schulden-Finanzierer verdienen die Bürger sich selbst auch noch obendrein.


(3)
Suche in meinen Blogs: oft muss ich selbst länger suchen und rauf und runter scrollen. Immer öfter gebe ich das betreffende Stichwort in der Google-Suche-Bilder ein. Die Bilder meiner Blogs kommen in der Regel ziemlich weit oben. Ein Klick auf ein solches Bild und der Artikel ist da. In den obigen beiden Fällen habe ich die Stichworte "Hühnerflüsterer" und "Der Bürger ist die Bank" eingegeben.


(4)
Eine frühe Ich-Fassung der Nation-Hymne gewidmete ich vor zehn Jahren Frau Hannelore Kohl und wiederhole diese Widmung anlässlich des 10. Jahrestages ihres einsamen Todes. Sie wollte Deutschland nicht mehr mit den Augen Helmut Kohls sehen (ich übrigens auch nicht, weder Deutschland noch Europa), schreckte davor zurück, rettete sich in eine Licht-Allergie. Ihr war es nicht mehr vergönnt, das geliebte Deutschland mit ihren eigenen Augen zu sehen. Die Tragik des Ende ihres Lebens hat Shakespear'sche Dimensionen. Darum die Widmung. Irgend eine Reaktion von irgendjemanden erhielt ich bis heute nicht.

Frei nach August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), neu gedichtet am 27.5., 23.6., 24.6. und 3.7.2001 von micha vRhein (Internet-Schreibtisch.de) Komponist: Franz Josef Haydn (1732-1809)

Deutschland lieb ich über alles, 
mehr als alles in der Welt, 
seine Flüsse, Seen und Städte, 
Landschaft, tausendfach gemalt, 
seine Kinder, Kirchen, Feste, 
Dichtkunst, die von uns erzählt, 
Deutschland lieb ich über alles, 
mehr als alles in der Welt.  
Seine Mädel, Frauen, Lieder, 
seine Kraft, sein Fleiß und Gut 
geben Kindern immer wieder 
Zukunft, Sicherheit und Mut! 
Deutschland lieb ich über alles, 
sing hinaus mit Herzensglut: 
dieses Land will Recht und Freiheit, 
Freiheit als das höchste Gut!  
Danach lasst uns alle streben! 
Reichen wir der Welt die Hand, 
Friede, Stetigkeit und Wissen 
sind das einigende Band! 
Blüh’ mein Land! Ja, über alles, 
mehr als alles in der Welt 
ehr ich dich, Land unsrer Väter! 
Strahl mein Deutschland, strahl wie Gold!

Am 28. Oktober 2012 las ich diese Kolumne noch einmal, auch die Hymne für Hannelore Kohl. Kleine Änderungen fielen mir ein, die ich ihr noch nach schicke. Sie ist nicht vergessen, obwohl inzwischen einige Jahre vergingen.

Deutschland lieb ich über alles, 
mehr als alles auf der Welt, 
seine Flüsse, Seen und Städte, 
Landschaft, tausendfach gemalt, 
seine Kinder, Kirchen, Feste, 
Dichtkunst, die von uns erzählt, 
Deutschland lieb ich über alles, 
mehr als alles auf der Welt.  
Seine Menschen, Frauen, Lieder, 
seine Kraft, sein Fleiß und Gut 
geben Kindern immer wieder 
Zukunft, Sicherheit und Mut! 
Deutschland lieb ich über alles, 
sing's hinaus mit Herzensglut: 
dieses Land will Recht und Freiheit, 
Freiheit als das höchste Gut!  
Danach lasst uns alle streben! 
Reichen wir der Welt die Hand, 
Friede, Stetigkeit und Wissen 
sind das einigende Band! 
Blüh’ mein Land! Ja, über alles, 
mehr als alles auf der Welt! 
ehr ich dich, du meine Heimat! 
Strahl mein Deutschland, strahl wie Gold!

Sonntag, 12. Juni 2011

Deutscher Völkermord an Russen, so in Leningrad, das meine Autorin Lada Nikolenko erlebte


Als 26/27-jährige junge Frau überlebte die spätere Weltbürgerin, Autorin und Wissenschaftlerin Lada Nikolenko die deutsche Belagerung von Leningrad. Vor Ende der schrecklichen 900 Tage am Rande des Todes wurde sie wie viele Leningrader in den Süden Russlands evakuiert.

Lada Nikolenko - eine Weltbürgerin, Autorin, Wissenschaftlerin, die lange Jahre in New York lebte, verheiratet mit einem russischen Kunstmaler, die in München am Zentralinstitut für Kunstgeschichte europäische Malerei mit Schwerpunkt auf Adelsportraits bearbeitete und ein Schönheiten-Archiv schuf, das die jeweiligen Schönheiten jeder Generation in Europa anhand ihrer Resonanz in der Kunst erforschte. Sie fand diese Personen im Kontext ihrer Zeitgeschichte heraus und sammelte alle verfügbaren Quellen im Laufe ihrer Jahrzehnte langen Forschung-Tätigkeit. Eines ihrer Hauptwerke, Pierre Mignard, veröffentlichte sie in meinem kulturhistorischen Verlag, den ich 1977 gegründet hatte. Die Kollage lässt einen Engel des Buch-Covers in das grauenhafte Geschehen hineinschauen. Dieser Engel,  gemalt von Pierre Mignard (1612-1695), scheint Lada beschützt zu haben.

Dr. Lada Rostislawna Nikolenko, geborene Rostislawowna. Sie wurde 1915 in Taganrog am Asowschen Meer als Mitglied einer verarmten Adelsfamilie geboren, wie mündlich überliefert wurde. Sie wuchs in Petrograd (St. Petersburg) auf. Sie durchlebte die großen Schrecken dieses Jahrhunderts, Krieg, Hunger und kommunistische Verfolgung: Nach dem 8. September 1941 überlebte sie die deutsche Belagerung von Leningrad. Zu Beginn der Belagerung, die Ausrottung anstrebte, war sie eine junge attraktive Frau im Alter von 26 Jahren. Vor Ende der schrecklichen 900 Tage am Rande des Todes wurde sie wie viele Leningrader in den Süden Russlands evakuiert.

Nun erchien gestern ein Spiegel-Online Bericht über den "Massenmord" in der Kornkammer Russland und auch über die Belagerung Leningrads, der die Motivation Hitlers und die Logistik seiner Landeroberung im Osten, verbunden mit einer geplanten "Dezimierung" der dortigen Bevölkerung um 30 Millionen, einem geplanten Völkermord also, herausstellt. Man sollte zugleich auch den Wikipedia-Artikel über die Belagerung Leningrads lesen.

Schon zwei Monate nach dem Überfall auf die Sowjetunion begann die Wehrmacht, Leningrad systematisch auszuhungern statt zu erobern. 500.000 Soldaten der Heeresgruppe Nord kesselten die ehemalige Residenz der russischen Fürsten ein. Zerstört vom Hagel der Artillerie und den Bomben der Luftwaffe hätte die Wehrmacht die Stadt einnehmen können. Doch Hitler befahl persönlich, dass selbst bei einer Kapitulation "kein einziger deutscher Soldat" Leningrad betreten solle, um die Menschen dort nicht ernähren zu müssen. An der "Erhaltung" der dreieinhalb Millionen Einwohner, wie er das Todesurteil für Hunderttausende euphemistisch nannte, bestehe "kein Interesse". 
Insgesamt 871 Tage hielten die Deutschen den Ring um der Stadt aufrecht. In Leningrad spiele sich "ein Stadtdrama ab, wie es die Geschichte noch nicht gekannt hat", notierte Goebbels nicht ohne Stolz. In ihrer Verzweiflung mordeten die Eingeschlossenen für ein paar Gramm Brot, sie aßen Zeitungen, Schimmel, Ratten, ja selbst Menschenfleisch. 500 mutmaßliche Kannibalen wurden standrechtlich erschossen. Geschwächt von der Unterernährung und Temperaturen von minus 40 Grad überlebten mehr als eine Millionen Menschen die Blockade nicht. 
420 Kalorien am Tag 
Leningrad war nur die konsequenteste Umsetzung der deutschen Hungerpolitik. Auch in anderen Städten schwangen sich die deutschen Behörden zum Richter über Leben und Tod auf und ließen systematisch "überflüssige Esser" verhungern. Sie erstellten penible Pläne, wer wie viel Essen erhielt: Gesunde Arbeiter, die für die Besatzer noch schuften konnten, wurden besser versorgt. Kranke, Schwache oder Juden erhielten hingegen oft nur die Hälfte der ohnehin kargen Rationen, die in Weißrussland zeitweise bei 420 Kalorien am Tag lagen. Und Dörfer, die nach Einschätzung der deutschen Verwaltung zu wenig Ertrag abwarfen, wurden unter dem Vorwurf der Partisanenbekämpfung oftmals abgebrannt und ihre Bewohner verschleppt oder erschossen.
Den Besatzern mangelte es hingegen selten an Verpflegung. Sie schickte Züge voller Getreide ins Deutsche Reich. Als im weißrussischen Brest 1942 die Brotration für die Bevölkerung auf 100 Gramm gesenkt wurde, verfütterte die örtliche Verpflegungsstelle des Heeres noch Roggen und Weizen an ihre Pferde. Und während Wehrmachtssoldaten ihren Angehörigen Verpflegungspäckchen schickten und in Feldpostbriefen von Fressgelagen schwärmten, starben allein bis Mai 1942 mehr als zwei Millionen russische Kriegsgefangene, viele von ihnen an Hunger. Langfristig, so das Kalkül der Nationalsozialisten, sollten die Millionen Tote Platz machen für die Neubesiedlung des Ostens durch die "arische Herrenrasse". 
Und Herbert Backe, der Diplomlandwirt, der maßgeblich an der Planung dieser Hungerpolitik beteiligt war? Er wusste von Beginn an, dass er ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hatte. Man müsse gut aufpassen, schrieb er 1941 über seine Ernährungsplanspiele, dass der Feind nichts mitbekomme: "Er darf nicht zitieren können", nur gesprochenes Wort sei "unschädlich". 
Trotz aller Vorsicht wurde Backe, 1944 noch zum Reichsminister für Ernährung aufgestiegen, nach dem Krieg verhaftet und sollte in Nürnberg vor Gericht gestellt werden. Kurz vor Prozessbeginn hängte er sich in seiner Gefängniszelle auf.

Niemals werde ich begreifen, wie sich Deutsche von einem Scharlatan Hitler derart verführen ließen. In seiner Schrift "Mein Kampf" beschrieb er die spätere grausige Realität bereits mit dem Begriff der Schaffung von Lebens-Raum für die Deutschen im Osten. Polen war auf diesem Weg bestenfalls ein Stolperstein. Seine Polen-Diplomatie vor seinem Angriff suchte nach Gründen und fand sie in den nationalistischen Verfehlungen der Polen gegen seine Minderheiten. Die Angelsachsen ließen sich nicht blenden. Aber die deutsche Bevölkerung ließ sich blenden. Ihnen wurde gesagt, sie seien etwas Besseres als andere Menschen anderer Völker.

Das Leid der Russen kam von zwei Seiten, auch von der Unterdrückung durch Stalin, der nach Belieben liquidierte, umsiedelte, in Gulags einsperrte, folterte und ganze Armeen durch Fehlplanung opferte. Unter ihm bekamen Russen zu verstehen: ihr seid nichts, nichts wert.

Überheblichkeit hier und Entwürdigung da, Verzerrung des Menschen und Rechtlosigkeit, die Grimasse der Nazis und die Gewissenlosigkeit der Kommunisten, beide Weltbilder waren fatal für die Geschichte und für Millionen von Menschen. Ignoranz des Menschlichen triumphierte.

Die Ignoranz des Menschlichen bestimmt auch heute das Geschehen. Die Macht-bewussten Charaktere, vorwiegend in der Politik und in den Parteien, glaubten heute, als neue "Herrenmenschen" mit Verfügungsgewalt über das Steueraufkommen Wertpapiere und Devirate in unvorstellbarem Ausmaß für erträumte Renditen einkaufen zu dürfen. Tummelplatz der elitären Zockerei waren die gefügigen und Parteien-unterwanderten Landesbanken. Sie machten sich vor, nur gewinnen zu können - und wurden die düpierten Verlierer aufkosten anderer. Nach katastrophalen Verlusten verstecken sie sich und versuchen, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Gleichzeitig versuchen sie, auf andere Weise abzusahnen, wieder aufkosten anderer Bürger und aufkosten der Kultur, Erziehung und kommender Generationen.

Menschen wie Lada Nikolenko und Nikolai Iosifowitsch Nikolenko halten dagegen, durch ihre Art und ihr Werk. Sie sind/waren Juwelen der Menschlichkeit und Koryphäen in ihren Berufen. Einen Eindruck mag eines der Gemälde von Nikolai vermitteln. Er malte hier eine Gruppe Pferde, die an etruskische Kunst erinnern, stilisiert,


Bronzenes etruskisches Pferd, Grabbeilage, 600 v. Chr.

plastisch wie ein antikes Relief, farbig stimmig wie Pompejanische oder etruskische Wandmalerei. Anders als die Pferde Alexander des Großen auf dem berühmten Alexander-Mosaik im National-Museum in Neapel, die nach rechts stürmen und den Wagen des Darius rechts aus dem Bild treiben, "fliehen" die Pferde auf dem Bild von Nikolai von rechts nach links. Die "aktive" Richtung griechischer und römischer Schreib-Schrift verläuft von links nach rechts. Die umgekehrte Richtung ist nach abendländischem Bild-Verständnis eine Rückwärts-Bewegung, ein Fliehen in die falsche Richtung. So ging es Nikolai selbst, als er versuchte, vor den kommunistischen Häschern zu fliehen. Sie holten ihn ein und kehrten die Richtung um: er wurde in ein Arbeitslager, ein Gulag, abgeführt. Die Pferde könnten eventuell die erfolglose Flucht so vieler Russen vor der kommunistischen Verfolgung darstellen. Ich denke, mit dieser Interpretation nicht zu weit zu gehen. Das gelebte Leben selbst drängt diese Deutung auf. Die Schweife der beiden letzten Pferde der Gruppe formen sich zu Pegasus, dem geflügelten antiken Pferd, das die Flucht zum Erfolg beflügeln soll. Über dem Boden setzen sich die Beine vor dem hellen Hintergrund ab, so dass ein Dahindonnern förmlich hörbar wird. Die Zungen der gehetzten Tiere hängen etwas heraus. (Absatz und Bilder am 18/Juni/2011 eingefügt)



Klick vergrößert
Nikolai Iosifowitsch Nikolenko:  Fliehende Pferde, 53.5cm x 132 cm, Mischtechnik, Öl, Signatur auf der Rückseite

Vor einiger Zeit erhielt ich einen Brief von Oxana Antic (1) mit näheren Details aus dem Leben beider. Auch Nikolai darf nicht in Vergessenheit geraten. Es lohnt sich ihn zu würdigen, zumal seine Bilder auch aus kunsthistorischer Sicht wichtig sind.
Nikolai Iosifowitsch Nikolenko, ein Maler, Buchillustrator und Möbelrestaurator  war, wie so viele Russen, die die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg verlassen haben, ein Mann mit einem besonders tragischen Schicksal. Am 10.September 1912 in einem kleinen Dorf bei Elisawetgrad geboren, wurde er früh zur Waise, denn sein Vater, ein orthodoxer Pfarrer, wurde in  den Zwanzigern, wie viele Millionen ,  grundlos verhaftet und kam in den Konzentrationslagern Sibiriens um. Auch die  Mutter wurde als „Frau eines Klassenfeindes“  verhaftet und nach Sibirien verbannt.
Der junge Mann fühlte sich zum Maler berufen und  begann ein Studium   an der Kiewer Kunstakademie bei Professor Boichuk, der sich zum Ziel gesetzt hatte, die Tradition der monumentalen byzantinischen Malerei für die moderne Kunst wieder zu beleben. Doch auch der Professor wurde verhaftet und starb in den Konzentrationslagern. Damit ihn nicht das gleiche Schicksal trifft, floh Nikolenko  in den Kaukasus, wo er sich einige Zeit verstecken konnte. Später gelang  es ihm, als  Matrose auf einem Handelsschiff anzuheuern. Sein Versuch, bei einem Aufenthalt  in Istanbul dort zu bleiben und nicht in die Sowjetunion zurückzukehren,   scheiterte, da die türkischen Behörden ihm jegliche Unterstützung verweigerten. 1933 wurde er schließlich  verhaftet, gefoltert und in ein Konzentrationslager auf der Halbinsel  Kolyma gebracht. Nachdem er seine  sechs Jahre Zwangsarbeit hinter sich gebracht hatte,   wurde er entlassen und es gelang ihm,  bei einem Theater als Kulissenmaler unterzukommen. Als der  Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden  ehemalige politische Häftlinge beim Entminen eingesetzt, auch Nikolenko gehörte dazu. Er geriet in deutsche Gefangenschaft und kam nach  Dresden, wo er den schweren Bombenangriff der Allierten überlebte.
Nach dem Ende des Krieges blieb der heimatlose Russe in Deutschland (2) und es gelang  ihm, in einer vom bekannten russischen Maler  G. Kiwerow  in Hamburg neu gegründeten Ikonenwerkstatt  Beschäftigung zu finden. (Kiwerow lebte später in München, wo seine romantisch beseelten Bilder auf Ausstellungen  sehr bewundert worden sind.) In Hamburg traf Nikolai Nikolenko seine zukünftige Frau – die Kunsthistorikerin  Dr. Lada Rostislawowna Gontscharowa. Sie heirateten und wanderten 1950, wie die meisten russischen Flüchtlinge,  in die U.S.A. aus, wo Nikolai Iosifowitsch erfolgreich  als Möbelrestaurator arbeitete. Doch seine  Herzerkrankung verschlimmerte sich so drastisch, dass das Ehepaar nach 20 Jahren den Beschluss fasste, nach Deutschland zurückzukehren. Frau Lada meinte, dass das Leben im „alten Europa“ und speziell in München weniger aufreibend sei als in New York.  
Wir lernten das Ehepaar Nikolenko Ende der sechziger Jahre in München kennen und entdeckten viele gemeinsame Interessen: russische Kunst, russische Geschichte,  russische Literatur (Frau Nikolenko, Dr. der Literaturwissenschaften,   war weitläufig mit dem Schriftsteller Iwan Gontscharow, dem Autor von „Oblomow“ verwandt), und das Leben in New York, wo  auch wir mehrere Jahre gewohnt hatten).
Nikolai Iosifowitsch schlug mir vor, mich von ihm malen zu lassen. Er  malte von mir zwei Porträts: das eine im Abendkleid mit Abendfrisur und das Andere in Tageskleidung. Es war immer ein  Freude für mich, bei den Sitzungen einige Stunden bei Nikolenkos zu verbringen. Nikolai Iosifowitsch hat immer das Mittagessen zubereitet: es gab mit Gemüse gebackenen Fisch. Es war sein Standardgericht und schmecke köstlich.  Die Porträts habe ich später den beiden mit mir „befreundeten“ russischen Museen:  dem Stadtmuseum in Millerowo und dem Museum der Geschichte der Donkosaken in Nowotscherkassk zum Geschenk gemacht. Sechs seiner beeindruckenden Bilder von Rom befinden sich im Privatbesitz und stehen frei zum Verkauf.
Nikolai Iosifowitsch war ein interessanter, eigenwilliger Künstler und ein sehr wertvoller Mensch, das Gegenteil eines Blenders, wie man es bei Künstlern manchmal treffen kann. Er  war sehr bescheiden im Auftreten und strahlte eine vornehme Zurückhaltung aus, gepaart mit echter Herzlichkeit. Man konnte sich mit ihm wunderbar „unter vier Augen“ unterhalten, in Gesellschaft ließ er immer seiner Frau den Vortritt, unserer verehrten und bewunderten Lada Nikolaewna, die, echt weiblich, auch kapriziös sein konnte.
Sie nannte sich „die letzte Hedonistin“, was traurig klang, aber gewiss stimmte,  mich nannte sie „Parfetka“. Es klang zwar nett, aber ich kannte das Wort nicht und konnte es auch in Wörterbüchern nicht finden. Erst jetzt ist mir eingefallen, dass Frau Lada das französische Wort „parfait“ (vollendet) einfach auf russische Art ummodelte..
Meiner Meinung nach habe ich in Frau Nikolenko die letzte Verkörperung einer echten russischen Dame getroffen, die das Unglück gehabt hat, während der sowjetischen Herrschaft in Russland zu leben. Ein Wunder, dass sie diese Zeit überhaupt überlebt hat, denn ihr erster Mann ist, frisch verheiratet,  während einer Zugfahrt verhaftet worden und war seitdem verschollen. Wie viele Tausende Leningrader, wurde auch Lada Rostislawowna während der Blockade in den Süden Russlands evakuiert und floh in den Westen, als die Wehrmacht den Rückzug angetreten hatte. Ich habe außer Frau Nikolenko, niemanden aus meiner, der so- genannten Zweiten Emigration (der Exodus der Sowjetrussen nach Deutschland aus den von der Wehrmacht besetzen Gebieten ) getroffen, der so vollendet wie sie die Kultur des untergegangenen russischen Zarenreiches verkörpert hat.
Ihre Führungen in der alten Pinakothek waren stadtbekannt, alle, die sie erlebt hatten, waren zutiefst beeindruckt von ihrem Wissen und ihrer Hingabe an die Materie.1974 konnte die Kunsthistorikerin  einen großen Erfolg verzeichnen: der renommierte Verlag „C.Bertelsmann“ hat ihren autobiografischen Roman „Wie Staub aus der Steppe“ veröffentlicht. Ich kann mich gut erinnern, wie aufgelöst Lada Rostislawowna mit ihrem Roman in der Hand zu mir gekommen ist und sich bitterlich darüber beklagte, dass der Verlag anstatt ihres neutralen Titels so etwas wie „Seiten eines Lebens“,  dem Buch  den Titel „Wie Staub aus der Steppe“ gegeben  hat.  „Was für ein Unsinn,  Xana!“, sie war den Tränen nahe. „Ich habe wie eine Löwin gekämpft! Sie könnten so einen Titel für Ihr Buch benutzen. Sie kommen  ja aus den Steppen (ich bin in Taganrog am Asowschen Meer geboren), aber ich bin doch eine Petersburgerin! Wo gibt es denn  da  Staub aus der Steppe???“ Ich musste lachen und habe sie  getröstet, dass der Inhalt in jedem Fall  wichtiger sei als der Titel, aber sie hatte natürlich völlig Recht. 
Leider sind Nikolai Iosifowitsch nur fünf Jahre in München vergönnt gewesen. Er verstarb an seiner schweren Herzkrankheit am 14.Mai 1975. Die renommierte russische Zeitschrift „Possev“  (Frankfurt am Main)  brachte unter der Überschrift „Zum Gedächtnis eines Freundes“ einen Nachruf,  in dem die Redaktion den Tod ihres „wertvollen Mitarbeiters und großartigen Menschen“  betrauerte und die Bücher der bedeutenden Exil-Autoren aufzählte, die Nikolai Nikolenko für den Possev-Verlag illustriert hatte.
Wie es bei allen schöpferischen Menschen der Fall ist, half Frau Nikolenko ihre Arbeit, über diesen schweren Verlust hinwegzukommen. Sie schrieb in englischer Sprache die Biografie des bedeutendsten  Porträtmalers des Grand Siecle (17. Jahrhundert) „Pierrre Mignard – the portrait painter of the grand siecle“. Der Bildband erschien 1982 /83 im Verlag Nitz, München. Frau Lada schrieb uns als Widmung: „Für meine Freunde, nicht zum Lesen, zur Erinnerung“. Aber ich habe das Buch gelesen und die schönen Porträts sehr bewundert.                           
Als Frau Tatjana Lukina im September 1991 „MIR – Zentrum russischer Kultur in München“, gründete, gehörte Frau Nikolenko  zu den sieben Gründungs-mitgliedern. Im Mai 1996 gab MIR das Buch „Die schönen Russinnen“ von Lada Nikolenko heraus. Es stellte acht der Schönheiten aus ihrer umfassenden Sammlung von Biografien von berühmten Schönheiten vor, die auf welche Weise auch immer, eine Spur in der Welt hinterlassen haben.

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(1)
Oxana Antic: Das "Russische München" der Nachkriegszeit - Mein Vater Michail Alexandrowitsch Miller - Ein russischer Archäologe in München; in: Russische Spuren in Bayern - Portraits, Geschichten, Erinnerungen;  verschiedene Autoren, Herausgeber: MIR e.V. (Deutschland), München 1997

(2)
Nikolai und Lada Nikolenko können als Russen der "Zweiten Migration" bezeichnet werden, die der Kommunismus direkt oder indirekt aus Russland verdrängte.

Auf die Minute genau zu diesen Berichten erschien soeben ein Spiegel-Online-Artikel.

Dieser Artikel mit neuen Quellen belegt, wenn auch oft nur zwischen den Zeilen, dass die deutsche Wehrmacht in Russland nicht homogen war. Es gab den "ritterlichen" deutschen Offizier, nicht nur diejenigen, die sich zum Morden einspannen ließen. Davon berichtete auch meine langjährige und längst verstorbene geistige Freundin, die behinderte lettische Malerin Olga Kunzite. Sie war ebenfalls, wie auch Nikolai, eine Persönlichkeit, die sich für das "Vieraugen-Gespräch" eignete, weil sie menschlichen Tiefgang hatte, als Mensch und als Künstlerin mit einer Top-Ausbildung in Riga, humanistischem Abitur und bestem Abschluss an der Kunsthochschule Riga. Auch sie gehörte zu dieser "zweiten Migration", auf der Flucht vor dem Kommunismus, bewohnte ab 1945/46 ein Zimmer in der ehemaligen Meesen-Kaserne in Lübeck. Später unterstützte ich sie, als sie eine Wohnung in Ahrensburg in einem Hochhaus am Bahnhof bezog. Dort war sie heraus aus der lettischen "Enklave" und vollende ihr malerisches Lebenswerk. Eine Ausstellung im Rathaus Ahrensburg durfte ich eröffnen.

Von ihr also lernte ich die dominierende Opposition gegen den Kommunismus kennen, gegen das Spitzel-System bis in die Familien hinein. Dementsprechend misstraute sie der 68er Bewegung an deutschen Universitäten. "Alles wiederholt sich", sagte sie damals.

Kollaborateure waren Russen und Letten nicht, nicht so wie in Frankreich. Sie hatten gute Gründe gegen die Grausamkeiten und Verfolgungen des Kommunismus. Ihnen war die gute Seite deutscher Militär-Strukturen,  die ihnen Befreiung versprachen, damals näher als Stalin. An der Leiden-Geschichte von Nicolai lässt sich im Detail ablesen, wie grausam der Stalinismus war. Die mitgeteilten Erfahrungen der Malerin Olga Kunzite bestätigten all das.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Casanova Kachelmann



Kachelmann fielen Eroberungen leicht, wurden ihm auch leicht gemacht (Kollage über einer Zeichnung des Bruders von Giacomo, Francesco Casanova, befindlich in Moskau, Historisches Museum) (1)


Bei Maischberger wurde der Fall Kachelmann im Interesse der Frauen-Rechtlerin Alice Schwarzer praktisch noch einmal verhandelt. Das Urteil, ein Freispruch Kachelmanns aufgrund Mangels an Beweisen, erschien manchem unbefriedigend. Die Diskussion hatte wertvolle Momente, weil die Aufgaben der Gerichte, die lediglich festzustellen haben, ob Beweise ausreichen oder nicht, klar umrissen wurden. Halbe "Beweise", die nicht ausreichten, wurden im Prozess allerdings mit Hilfe des Vorlebens des Angeklagten zusätzlich beleuchtet. Aber auch das Vorleben brachte keine Klarheit. 

Mein Eindruck: Ein wesentliches Argument wurde offenbar sowohl während des Prozesses als auch in der Talkshow ausgelassen. Wenn das Vorleben von Herrn Kachelmann nämlich nichts weiter als ein lockeres Leben eines Casanovas war, der immer mehrere Pfeile im Köcher hatte, Geliebte in Reserve, dann hatte er es logischerweise nämlich nicht nötig, bei einer einzelen Geliebten Gewalt anzuwenden, um sich Sex abzuholen. Er sagte aber aus, dass dieser Sex einvernehmlich stattfand, bevor er ein mutmaßliches Drängen der Geliebten, die Beziehung zu konkretisieren, mit der Wahrheit konterte, diverse andere Geliebte zur Verfügung zu haben. Er wollte die Frau dann lieber los werden. Darin sehe ich ein Motiv der Frau, sich zu rächen. 

Kachelman hat mit der gleichen jovialen Art, die ihn als Wetter-Experte beliebt gemacht hatte, auch seine Geliebten behandelt. TV-Publikum und diese Frauen liegen auf einer Linie. Darum fielen ihm Eroberungen leicht, wurden ihm auch leicht gemacht. Kachelmann blieb echt, auch als Casanova oder meinetwegen auch "Schwerenöter" (Wir erleben zurzeit eine Inflation dieses Begriffes, es gibt offenbar zu viele). 

Darum komme ich zur Schlussfolgerung, dass Kachelmann tatsächlich unschuldig ist, keine Gewalt angewendet hat und die einzige Aussage, die er zum Prozess gemacht hat, wahr ist. Er hatte es nicht nötig, Sex zu erzwingen. Aber gerade das stachelte die düpierte Geliebte auf. Frauen wollen die Ausschließlichkeit, die ich oben als Ideal beschrieben habe, um sich selbst zu verwirklichen und müssen extrem denken, oder wie hier handeln, wenn sie um dieses Ziel betrogen werden, weil der Partner ein Lügen-Gebäude errichtet hat und gar nicht interessiert ist. 

Ovid führt aus, dass Versprechungen himmlischer Schlösser, um eine Frau zu erobern, erlaubt sind. Liebe und alle ihre Vorstufen scheinen also außerhalb ordentlicher Gesetze zu stehen. 

Wenn die Luftschlösser zu einer höheren Beziehung führen, die von der Natur so fürstlich belohnt wird (s.Link ff.), dann ist es ja gut, wenn nicht, dann waren die Voraussetzungen nicht ausreichend. (2)


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(1)
Alle Kollagen, Satiren und Bilder in allen Blogs, siehe rechte Spalte, sind Werke von micha vRhein, Copyright bitte beachten)

(2)
Kachelmann sagte während des Prozesses wenig, nun redete er Klartext. Alle seine Aussagen decken sich mit meiner Überzeugung, er sei unschuldig gewesen. Er gab auch Fehler zu. Sie decken sich ebenfalls mit meiner Schilderung. Es gibt auch einen logischen Querschnitt seiner Aussagen, die offensichtlich wahrhaftig waren. Das Urteil war am 31/Mai/2011, ein Freispruch. Medien taten sich schwer und sprachen von einem Urteil "zweiter Klasse", einem aus "Mangel an Beweisen". In Talkshows gab es niemanden, der aussprach: Kachelmann hat die Tat nicht begangen, Kachelmann war und ist unschuldig. Dieser Mangel an Mut zu einer persönlichen Entscheidung von Mitgliedern der Talkshows führte zu meinem Artikel, der zwischen dem Urteil und dem Interview Kachelmanns mit der "Zeit" entstand.


Mittwoch, 18. Mai 2011

Satyr Dominique Strauss-Kahn

Satyr Dominique Strauss-Kahn, wie alle Satyre, ein Schritt zu spät

Typischerweise erreichen Satyre das Einverständnis der von ihnen begehrten Mänaden niemals. Die modernen packen es genau so falsch an, sind dann die ewig Blöden, haben obendrein noch den ganzen Schaden, sacken mit schamlos viel Geld ständig in die Prostitution ab und versuchen permanent, ihr dennoch zu entkommen, konstruieren sich erfolglos Situationen, in denen Zuneigung, nicht Geld, wahr sind. Sie schwanken zwischen Aggression und unerfüllter Hoffnung (1); das arme Zimmermädchen wußte gar nicht, welchen nationalen Krieg zwischen den USA und Frankreich sie auslösen würde. Sie wird vom mächtigen Justiz-Apparat der USA benutzt, vielleicht missbraucht. Es geht am wenigsten um sie selbst, dennoch geht sie in die Geschichte ein, in die transatlantische, nicht in die antike, weil es ihr niemals in ihrem Leben vergönnt sein kann, eine streitbare und wehrhafte Mänade zu sein. Sie kann sich wahrscheinlich nicht einmal der bohrenden und aufdringlichen Fragen der Juristen erwehren, denen eine so große und weltweite Aufmerksamkeit wie ein großer Lotto-Hauptgewinn ins Haus kam.

Die rotfigurige Vasenmalerei der Schale in den Staatlichen Antiken-Sammlungen in München ist eines der schönsten Beispiele alt-griechischer Kunst um 480 v. Chr. Der Künstler bewältigte seine Idee, Satyr und Mänade auf engstem Raum dicht aneinander darzustellen und dennoch die große geistige Distanz der beiden Akteure zu zeigen. Er hob den linken Arm der Mänade so weit an, dass die Ellenbogen-Spitze zu einem abwehrenden unüberwindlichen Hindernis für den Lüstling wird. Zugleich hält ihn der Thyrsosstab, der direkt gegen seine Lust gerichtet ist, in die Schranken. Ferner fixiert ihn ihr beherrschender Blick, während er selbst zu keinem "Blick" fähig ist, so unkontrolliert ist seine sexuelle Aggression. Mild umschließt beide das Wunder höchster Zeichen-Kunst. Ästhetik bedeckt die frei vorgetragene Erotik. Eine solche Ästhetik fehlt im aktuellen Fall.


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(1)

Moderne oder anike Satyre sind keine Vergewaltiger. Der Fall Dominique Strauss-Kahn könnte auch ein Komplott sein, weil dessen Verhalten als notorischer Schwerenöter bekannt war. Sehr einfach, ihm eine Falle zu stellen. Ausgerechnet in den USA passierte es. Hier ist das Interesse an einer Heilung des EURO besonders gering. Der nun Angeklagte stand für eine erfolgreiche Verteidigung der europäischen Währung. Die "Weltwährung" Dollar gerät in Gefahr. Abgesehen davon hat sich über die Jahre ein Konkurrenz-Verhalten zwischen den USA und Frankreich aufgebaut. BOING und EADS führen einen Stellvertreter-Krieg. Sehr aggressive US-Firmen wie Monsanto mit Gen-manipulierten patentierten Produkten und Art-widrigen Fütter-Methoden für Rinder zwingen den europäischen Markt in die Knie und richten Schaden an. So aggressiv wie diese Art der Wirtschaft-Diktatur von US-Groß-Konzernen war auch die Verhaftung von Strauss-Kahn.

Im Einzelnen zeigt der Fall viele Ungereimtheiten. Offenbar wurde die mutmaßliche Tatzeit gefälscht und ein Video einer Überwachungs-Kamera gezeigt, obwohl es in der Hotel-Suite keine solche gab. Das übertriebene Abführen in Handschellen spricht ebenfalls dafür, dass ein politisch-publizistisches Interesse daran besteht, den Angeklagten umfassend zu demontieren. Ein kleines Detail, das bekannt wurde, spricht für diese These. Das Zimmer-Mädchen oder die Zimmer-Frau (32 Jahre) ließ wissen, dass sie nicht gewusst habe, dass es sich um einen Prominenten handelte. Nahezu alle Gäste des teuren Hotels sind in der Regel prominent. Sie wollte offensichtlich den Anschein einer überfallenen 20jährigen erwecken, die von nichts wusste - ein fast sicheres Zeichen für ein Komplott, an dem sie als reifere Frau, die alle Facetten des Hotels aus dem FF kennt, beteiligt sein könnte (siehe aber unten den weiteren Nachtrag vom 24/Mai/2011). Sie soll der nackt aus dem Bad Stakende schnell vergewaltigt haben können?

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Nachtrag am 23/Mai/2011

Eine Diskussion bei Anne Will, u. a. mit Alice Schwarzer, brachte eigentlich nicht viel, war diffus und voller lauter Vermutungen. Strauss-Kahn habe in der Vergangenheit einen Hang zu Gewaltätigkeit über den eigenlichen Sex hinaus gezeigt, habe also eine sadistische Ader. Glaube das wer will. Frau Schwarzer kam damit. Die Belege fehlten. Sie verteidigte auch die "Geliebte" von Herrn Kachelmann. Stattdessen hätte sie wissen müssen, dass Frauen aus Eifersucht oder verletztem Ego fast zu allem fähig sind.

Nachtrag am 24/Mai/2011

Spiegel Online hat zu berichten:
Aus Ermittlerkreisen wurde laut CNN bekannt, dass Strauss-Kahn während seines Hotelaufenthalts zwei weitere Hotelmitarbeiterinnen gebeten haben soll, ihm auf seinem Zimmer Gesellschaft zu leisten. Als eine Rezeptionistin Strauss-Kahn nach dem Check-in zu seiner Suite begleitete, habe er ihr angeboten, auf ein Glas Champagner zu bleiben, zitiert der Sender Ermittlungsbeamte. Später hätte der Ex-IWF-Chef an der Rezeption angerufen und eine weitere Mitarbeiterin gefragt, ob sie nach Dienstschluss auf einen Drink zu ihm auf die Suite komme. Beide Frauen hätten das Angebot aber abgelehnt.
Da haben wir ein Stückchen Wahrheit. Zwei Damen an der Rezeption erlebten den offensichtlichen Notstand eines ihrer Gäste hautnah und schickten trotzdem eine 32jährige in sein Zimmer, als sich der Gast im Bad befand. Sie hätten die Zimmer-Frau nicht ohne männliche Begleitung ins Zimmer lassen dürfen, weil der Gast eine Erwartungs-Haltung hatte, um seinen sexuellen "Notstand" abzubauen. Nach zweimaligem Anlauf, Einladungen zu einem Glas Sekt, übrigens nicht gerade ein Anlauf zu sadistischen Absichten, musste dem Hotel-Personal klar sein, wie sie professionell zu reagieren hatten. Entweder ihm hätte eine Prostituierte im Hotel-Personal-Outfit geschickt werden müssen, oder aber die tickende männliche Sex-Bombe war zu entschärfen. Das Gegenteil geschah. Folglich handelte es sich um ein Komplott, ohne dass die Zimmer-Frau eingeweiht war. Eine der Damen an der Rezeption sahnte ab und ließ sich bestechen, meine ich. Selbstverständlich besteht in einem Prominenten-Hotel einer derart hohen Preisklasse eine enge Verbindung zu Geheimdiensten der USA, so dass dieser Komplott, nämlich einen europäischen Konkurrenten in einer existenziellen Dollar/Euro-Frage auszuschalten, schnell über die Bühne gehen konnte.

Strauss-Kahn wurde absichtlich provoziert und fiel planmäßig herein.

Nachtrag am 1/Juli/2011

Offenbar war ich der Wahrheit auf der Spur und empfehle, die neueste Nachricht von Spiegel-Online, eine Titel-Nachricht, mit dem obigen zu vergleichen. Dass die Komplott-Spur sogar in ein Gefängnis führt, konnte ich nicht ahnen, wohl aber die Unglaubwürdigkeit der Reinigung-Dame. Strauß-Kahn als Satyr kann so stehen bleiben. Ein entsprechendes Verhalten kann unterhaltsam sein und zu Satire verlocken, ist aber nicht strafbar. Noch weniger als zuvor kann man in den USA, speziell in New York, das Risiko eingehen, in einen Fahrstuhl zu steigen, wenn der einzige andere Fahrgast eine Frau ist. Auf das Hotel fällt nun ein sehr schlechtes Licht, da es Angestellte beschäftigt, die prominente Gäste als mögliche Erpressung-Opfer betrachten. Die Rezeption muss unlautere Absichtien gewohnt gewesen sein, weil sie eine Dame über 30 für einen sexuellen "Schwerenöter" parat hatte, also Prostitution unterstützt hat, um "zufriedene" Kunden zu haben. Der Fall Strauß-Kahn hat jedoch noch eine andere Dimension, die ich oben beschrieb. Ich rechne damit, dass die jetzt in Spiegel-Online berichtete Variante nicht die ganze Wahrheit ist. Die große Politik ist im Spiel. Ein wesentliches Ziel wurde erreicht. Nun wird die Geschichte "entsorgt", damit die politischen Hintermänner unentdeckt bleiben.

Freitag, 4. Februar 2011

Die Freiheit hat ein neues Gesicht



DAS NEUE GESICHT DER FREIHEIT

Freiheit oder die Sehnsucht nach Freiheit. Die Hände und Arme in einem surrealistischen Größenverhältnis zu den Blüten erleben und ersehnen diese Freiheit; sie wiederholen das V, das zwei noch geschlossene Blüten formen, das V, das Victory bedeutet, wenn die Freiheit über die Unfreiheit gesiegt hat.

Die "Revolution" in Tunesien, Ägypten und weiteren vorwiegend muslimischen Ländern wird noch nicht so ganz verstanden. "Wie geht es weiter, wagt jemand eine Prognose?" fragte Maybritt Illner in ihre erlauchte Runde hinein, mit Scholl-Latour u. a., Fachleute, die sich selbst als kompetent klassifizierten. Die Antworten waren vorsichtig bis verneinend. Niemand wollte sich festlegen. Gutes Ende, schlechtes Ende? Wissen wir nicht, hieß es im wesentlichen. Zu oft hatten Prognosen falsch gelegen.

Ganz beiläufig wurde vor ein paar Wochen über die Jugend im Gaza-Streifen berichtet. Sie tun sich schwer mit der Hamas. Sie wollen leben, lieben das Internet, wollen teilnehmen an der Welt, ihrer jugendlichen Welt, der Welt der Blogs mit Improvisationen und Musik aus allen Ecken der Kontinente. Sie alle haben aber auch schon Bekanntschaft gemacht mit den vielen Porno-Seiten, mit lustvollem Spaß, der so gar nicht zu den Geboten der dunklen und unerotischen Mullhas passen will. Sie wollen nicht gezwungen werden, irgendwann einmal als Selbstmord-Attentäter zu enden, während sich ein großer anderer Teil der Jugend um den Globus vergnügt und frei lebt. Daher: die "Revolution" ist auch eine sexuelle Revolution innerhalb des Islam. Eines scheint nicht zu passen. Da ist von Hochzeit und Treue die Rede, von Strafen bis zur Steinigung bei Verstößen, aber die Mittel fehlen, die Hände und Taschen sind leer. Die jungen Männer haben so gut wie keine Perspektive und wollen doch in das paradiesische Versprechen der Ehe hineinwachsen. Aber schon im Ansatz verkümmern solche Wünsche. Bis etwa 35 verbleiben die jungen Leute gewöhnlich bei Mama zuhause. Die Selbständigkeit ist ihnen verwehrt. Sie sind arbeitslos, ohne Ausbildung, und wenn sie eine haben, sei es auch eine akademische, dann finden sie keine Arbeit, oder nur Arbeit als Verkäufer hinter einem Gemüse.Karren. Auch diese Arbeit wird ihnen weggenommen, wenn sie die Wucher-Abgaben nicht leisten, die sie gar nicht aufbringen können. 

Das neue Gesicht der Freiheit ist eine frei erlebbare Sexualität, die das Internet offenbart, das krasse Gegenteil eines düsteren Religionsführers Chamenei, der in Ägypten absahnen will. Die erlauchte Runde um Frau Illner hatte nicht verstanden, dass die Revolutionen, die wir haben und die noch kommen, Trieb-gesteuert sind. Keine Macht der Welt kann sie aufhalten. Ich schrieb bereits in der Schreibwerkstatt:

Werden in Ägypten, im Irak, Iran, in Afghanistan saudiarabischer Fundamentalismus der Wahhabiten, der radikale Teil der Moslem-Bruderschaft, assimiliert, oder obsiegen die Menschen-verachtenden Methoden der Sicherheits-Kräfte des überfälligen Mubarak? (Einfügung am 4/Februar/2011: Mubarak verstärkte den Sicherheits-Apparat von Anbeginn seiner Regentschaft. Die Furcht der Ägypter vor diesem Apparat erlebte ich durch Schilderungen in Alexandria). Angesichts dieser Aussichten mag ich kaum glauben, dass Ägypten eine relativ gemäßigte demokratische Zukunft haben wird, wie zum Beispiel die Türkei. (Einfügung am 4/Februar/2011: Zwei Tage nach dieser meiner Befürchtung gingen die bewaffneten Schläger-Trupps Mubaraks auf die Straße und richten nun ein kalkuliertes Chaos an (1)

Ein junger schwedischer Tourist ist einem Bericht zufolge tagelang von der ägyptischen Polizei inhaftiert und gefoltert worden. Der 22-jährige Aaed N. war nach eigenen Angaben am Dienstag vergangener Woche festgenommen worden. Er habe Fotos von einer Moschee im Kairoer Vorort El Abasia gemacht, als ihn Polizisten in Zivil mitnahmen.
"Ich war gerade dabei, eine alte Moschee zu fotografieren, als Polizisten auf Motorrädern kamen", sagte er der schwedischen Zeitung "Helsingborgs Dagblad" per Telefon. Sie nahmen ihm die Kamera ab und brachten ihn ins Gefängnis. "Sie wollten mich töten", zitiert die Zeitung den Mann.
Seinen Schilderungen zufolge wurde er auf der Wache von mehreren Polizisten geschlagen. Einer von ihnen habe ihm gedroht, er werde den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, wenn er versuchen sollte, die schwedische Botschaft anzurufen. "Sie setzten mir ein Messer an den Hals. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viel Angst."
Ähnliches habe ich in Liberia erlebt. Ich war drei Monate dort, als der Makro-Verbrecher Charles Taylor noch sein Schreckens-Regime anführte, und fotografierte Teile der Innenstadt, zum Beispiel verrammelte Läden, notdürftig geschützt vor den gnadenlosen Schergen Taylors. Plötzlich waren zwei Sicherheitskräfte in Zivil hinter mir. Ich wollte sie abschütteln, ging schneller. Sie folgten dicht hinter mir, zwangen mich dann in eine Polizei-Wache. Dort wurde ich verhört. Immer mehr Leute kamen ins Zimmer. Ich sah die blanke sadistische Lust in ihren Augen: dieser Mann, der da sitzt, wird zwei bis drei Stunden in unserem Foltergefängnis sein.

Ich wandte mich an den Polizeibeamten, sprach nur mit ihm, weil ich wusste, dass zwischen Sicherheits-Kräften und Polizei noch immer ein Unterschied bestand und zeigte keine Furscht, im Gegenteil. Dann durfte ich einen Freund im Parlament anrufen. Er holte mich da raus und gab einigen Leuten Geld.

In Ägypten erlebte ich eine andere Geschichte. Sie zeigte die Homosexualität als Frustrations-Ventil im Land. Krank wegen eines Tees mit Nilwasser lag ich am Fuße des Tempels von Kena, dessen Museums-Leiter schwul war. "Ein fauler Hund" sagte mir ein deutscher Archäologe in einem einfach-primitiven Memnon-Hotel nahe der Memnon-Kolosse. Der relativ junge Museums-Leiter nahm mich an nächsten Tag mit nach Kena. Da lag ich nach einer dunklen Nacht in einem Hotel-Zimmer ohne Fenster nun auf einer Steinbank unterhalb des Tempels. Besichtigen konnte ich ihn nicht. Mir war schlecht wie nie in meinem Leben. Da kam einer der Tempelaufseher und hantierte an mir. Wie sein Chef waren naturgemäß auch alle Bediensteten schwul. Schwach wehrte ich ihn ab. Das genügte. Dann kam schon der nächste. Aber dann passierte etwas Wunderbares. Eine Ärzte-Gruppe, alles Ägypter, entdeckte mich, versorgte mich, und am Ende fuhr ich mit ihnen in einem Bus Richtung Alexandria. Sie sangen den ganzen Weg Studentenlieder. Sie waren das liebenswerte Ägypten. Sehr viele Menschen im Land erinnerten mich an die liebenswürdig-sanften Menschen der altägyptischen Malereien in den zahlreichen Mastabas, den Grab-Höhlen unter der Erde, zu denen schmale Gänge herabführen.

Die beiden Erlebnisse, in Liberia und in Kena/Ägypten, lassen die Geschichte des schwedischen Touristen in einem mir bekannten Licht erscheinen. Die sadistische Homosexualität der Sicherheits-Kräfte klingt für mich absolut glaubhaft, auch die Todes-Drohung, denn je mehr der Sadismus in die Praxis umgesetzt wird, desto eher droht am Ende, dass das Opfer beseitigt wird, um nicht berichten zu können.

Ägypten ist vollgestopft mit Menschen, die bereits alle Hemmungen verloren haben (Einfügung am 4/Februar/2011: wie wahr, die Ereignisse zwei Tage später bestätigen meine Aussage) und sich dem nächstbesten Diktator, Islam-fundamentalistisch oder eher weltlich, andienen werden. Die Situation in Ägypten ist alles andere als harmlos. Europa darf nicht warten und passiv zuschauen, ob die Menschen das drängende Problem einer geordneten Führung selbst in die Hand nehmen.

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Heute können Privates und Öffentliches nicht mehr voneinander getrennt werden, weil soziale Netzwerke mit allen privaten Facetten zum Sturz der Despoten-Regierung in Tunesien geführt haben und nun Ägypten explodieren lassen. Die Gegenwehr des 82-jährigen starrsinnigen Muhammad Husni Mubarak erzeugt eine Explosion, die wahrscheinlich nur durch den 68-jährigen Friedens-Nobelpreisträger Mohammed el-Baradei gedämpft werden kann. Inzwischen hört man von Kunstraub und Schändung des Ägyptischen National-Museums und wird an Bagdad nach der Eroberung durch amerikanische Truppen erinnert. Sie konnten den Raub an wertvollstem Kulturgut, an Weltkulturerbe-Substanz nicht verhindern, weil Bush jun. ein ungehobelter, leicht oder krass kulturloser Texaner war, dem das egal war. 
Ägypten macht sich auf den Weg, zu einem Irak zu verkommen. Die Amerikaner sollten ihre Fehler nun nicht wiederholen. Es ist zu hoffen, dass vor allem Frau Michelle Obama eine ausgleichende Wirkung haben wird, so dass Ägypten einigermaßen heil bleibt. Kopten wurden dort kürzlich ermordet. Es ist zu befürchten, dass den Islamisten auch die Ägyptische Kultur ein Dorn im Auge ist, und dass es zu einer kulturellen Katastrophe kommen wird, so wie einst, als die große Welt-Bibliothek von Alexandria von muslimischen Horden zerstört wurde.
Die heutige Konflikt-Lage weltweit wirkt wie eine Projektion aus der Zeit der Ermordung Muḥammad Anwar as-Sādāts am 6. Oktober 1981 durch vier Islamisten der Gruppe Al-Jihad (Heiliger Krieg). Die Al-Jihad, eine Abspaltung der Jama'at islamiyya, geführt von Abdessalam Faraj (Kairo) und Karam Zuhdi (Mittelägypten) und ihrem Mufti Scheich 'Umar 'Abd al Rahman, einem blinden Professor der Al-Azhar-Universität, betrachtete Sadat als unrechtmäßigen Herrscher, weil er nicht ausschließlich auf Grundlage der Scharia regierte. Seine Ermordung war aus Sicht der Gruppe das notwendige und angemessene Mittel zur Errichtung der von ihr angestrebten Form eines islamischen Staates. Im Rahmen konfessioneller Unruhen im Gebiet von Al Zawiya al Hamra ermordete 1981 die mittelägyptische Gruppe der Al Jihad sechs koptische Christen, die reiche Goldschmiede waren, und erbeutete nach Aussage ihres Führers Karam Zuhdi fünf Kilo Gold und 3000 ägyptische Pfund, mit deren Hilfe Waffen für die Organisation erworben wurden (Wikipedia). 
Dieser historische Einblick gibt darüber Auskunft, dass sich die Ziele der Jihadisten weltweit nur regional verlagert und ausgebreitet haben. Ägypten als Ursprung steht nun wieder am Scheidewege. Einen Sadat wird es nicht mehr geben und erst recht nicht eine weltweit hoch geachtete Persönlichkeit wie Jehan as-Sadat, die ihn mit 16 Jahren heiratete, mit ihm zusammen eine glückliche Ehe führte ("Er war meine Kraft, ich sein Licht"), mehrere Kinder gebar und an seiner Seite und nach seiner Ermordung zu einer der großartigsten Frauen aufstieg, die es je gegeben hat, weit bedeutungsvoller als Sadat selbst, obwohl dieser zusammen mit Begin 1978 den Friedensnobelpreis erhielt.
Das Paar Obama, offenbar ebenfalls eine glückliche Einheit, ist dazu aufgerufen, die Schuldenkrise der USA beiseite zu schieben und eine heilende Wirkung für Ägypten zu entfalten. 

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Beispiel für den Zeitunterschied Berlin-Bangkok:

Im Beitrag der Schreibwerkstatt sind oben im ersten Absatz Einfügungen und ein Link. Sie sind auf den 4.Febr.2011 datiert = Bangkok-Zeit. Der Vermerk über diese Einfügungen erscheint auch im Kalender GMT+1 = Berlin, und zwar dort am 3/Februar/2011 um 21:00 bis 22:30. Um 3:30 bis 5:00 am 4/Februar/2011 Berlin-Zeit schrieb ich eine Ergänzung

Unter dem Bild schrieb ich den Begriff "Erstickungs-Tod". Das war also nach Berliner Zeit früh am 4/Februar/2011 tief in der Nacht. Am 4/Februar/2011 erschien eine Abwandlung des Gebauer-Berichtes vom Vortag, diesmal mit der Überschrift: Straßenkrieg erstickt (!) das Leben in Kairo. Das Titelbild vom Vortag blieb.

"ERSTICKEN" war einfach der beste Begriff. Möglicherweise wurde er aus meinem Blog schnell herauskopiert, und der Artikel in Spiegel-Online bekam ein neues, prägnanteres Gesicht, frisch für den nächsten Tag.

Das Beispiel zeigt die Schnelligkeit des Internet, nicht nur in Twitter und Facebook, die ich aus Zeitmangel sehr oft vernachlässige, weil ich sie für nicht so wichtig halte (von 1000 "Freunden" half niemand auf einen Hilferuf um Leben und Tod).

Wer in Thailand schreibt wie ich, sollte wegen der Zeitverschiebung nicht übers Ohr gehauen werden. Darum habe ich die beiden Zeitkalender heute recht deutlich gemacht und bei beiden die übersichtlichere Wochen-Ansicht gewählt (vorher war Monats-Ansicht das erste Erscheinungsbild).